09.07.2011 Zermatt Ultramarathon
Mit dem Zermatt-Marathon hatte ich noch eine offene Rechnung, da ich letztes Jahr verletzungsbedingt das Rennen nach 25km in Zermatt abbrechen musste. 3 Wochen vor dem Marathon zog ich mir eine Wadenzerrung zu. In den 3 Wochen hiess es abwarten und hoffen dass die Wade kuriert. Ein Testlauf 2 Tagen vor dem Marathon liess mich zuversichtlich stimmen, doch der Trainingsrückstand motivierte nicht besonders. Da wir Hotel und alles bereits gebucht hatten, entschied ich mich trotzdem zu starten, so nach dem Motto "Mal schauen wie weit ich komme". Die brutale Hitze am Marathontag machte die ganze Sache auch nicht einfacher. So startete ich eher gemütlich ins Rennen. Meine Wade hielt, doch ich merkte ziemlich schnell, dass ich in den letzten 3 Wochen keine Laufkilometer in den Beinen hatte. In Zermatt nach der Schleife, bei Kilometer 25 fing meine Wade an zu schmerzen und ich beschloss das Rennen abzubrechen. Keine einfache Entscheidung, doch zurückblickend bin ich froh um diesen Entscheid. 3 Wochen später lief ich den Swissalpine Marathon C42 in Davos.
Die Vorbereitung dieses Jahr verlief sehr gut. Ich lief 3 Halbmarathons, den Bündner Frühlingslauf, den Sempacherseelauf und die Cuorsa dil Rein. Zusätzlich noch den Berglauf Brigels. Bei allen Rennen (Sempachersee ausgenommen) lief ich in Rekordzeit. Auch meine 4 Long-Jogs (3-4h) liessen mich zuversichtlich stimmen. Schliesslich habe ich mich für den Ultramarathon angemeldet, welcher auf den Gornergrat führt, mit 45.5km und 2500 Höhenmeter.
Mit meiner Freundin Simona reisen wir bereits am Freitag an. Mit dem Auto geht's nach St. Niklaus, wo der Veranstalter gratis Parkplätze zur Verfügung stellt. Anschliessend geht es mit der Matterhorn Gotthardbahn nach Zermatt, wo wir im gemütlichen Hotel Antika einquartieren. Um die Energiespeicher zu füllen, besuchen wir am Abend die Pasta-Party im Marathon-Zelt am Bahnhof. Relativ früh gehen wir schlafen.
Den Wecker habe ich auf 05:30 gestellt. Diesen hätte ich gar nicht gebraucht, da ich bereits um 04:30 wach bin, die Nervosität... Die Japaner sind auch bereits aufgestanden, um den Matterhorn zu fotografieren. Doch dieser versteckt sich hinter einer Wolkendecke. Ansonsten ist der Himmel klar und die Temperaturen sind angenehm frisch, perfekt also für den Lauf. Nach dem Frühstück (Teigwaren), packe ich meine sieben Sachen und mache mich auf den Weg zum Bahnhof. Nach einem Kaffee im Bahnhof-Buffet bin ich nun endgültig wach. Der 06:59-Zug ist voll mit Läufern aus aller Welt, vor allem viele Deutsche.
Die Wetterprognose für den heutigen Tag ist gut. Sonnenschein mit angenehmen Temperaturen, eventuell Gewitter am späten Nachmittag.
In St. Niklaus angekommen, noch die letzten Vorbereitungen, anschliessend das Gepäck abgeben und schon reihe ich mich im Startfeld ein. Einfach herrlich diese Stimmung vor dem Marathon. Meine Pulsuhr zeigt bereits vor dem Start eine Herzfrequenz von über 100 Herzschlägen pro Minute. Um 08:25 erfolgt der Startschuss für uns Ultramarathon-Läufer. Auf den ersten Kilometer geht es durch den Dorfkern von St. Niklaus. Mein Ziel ist heute, das Rennen nicht zu schnell anzugehen, sodass ich in Zermatt noch genügend Reserven habe um auf den Gornergrat zu kommen.
Auf den ersten Kilometern überhole ich viele Läufer, was bedeutet, dass ich mich eher weit im Startfeld eingereiht habe. Lieber so als zu weit vorne. Nach 5km kommt die erste Verpflegungsstation. Ich presse den ersten Energy-Gel in mich rein, gefolgt von zwei Bechern Wasser. Meinem Magen gefällt das nicht besonders und ich muss das Tempo ein bisschen drosseln. Das Rennen läuft ansonsten gut und die Temperaturen sind ideal. Nach 10km kurz vor Randa, überholt mich der erste Marathon-Läufer, in einem Wahnsinnstempo. Patrick Wieser hat bereits einen Vorsprung von etwa 2 Minuten auf die Verfolger herausgeholt. Nach 15km erreichen wir Täsch, bevor es zum ersten Mal richtig hoch geht Richtung Zermatt. Meine Taktik ist bis jetzt aufgegangen, in Zermatt fühle ich mich relativ wohl. Für die ersten 21km benötige ich 2:01h. Im Vergleich zu letztes Jahr 8 Minuten schneller und in einem sehr guten Zustand. Ich habe genügend Reserven für den Rest der Strecke. Die sollte ich auch haben, da das Rennen erst richtig anfängt. 21km und etwa 2000 Höhenmeter liegen noch vor mir. Simonas Anfeuerungen motivieren mich noch mehr, um die Steigung nach Sunegga anzugehen.
Den ersten Teil des Aufstiegs kann ich rennend hinter mir bringen, doch es wird steiler und ich muss den Gehschritt einlegen. Doch diejenigen die noch rennen, sind gar nicht viel schneller. Sowieso benötigt man im Gehschritt weniger Energie. Von Zermatt nach Sunegga kann ich einige Läufer überholen. Mein Problem heute ist definitiv der Magen, immer wieder plagen mich Magenkrämpfe. An den Energy-Gels kann es nicht liegen, die vertrage ich gut. In Sunegga angekommen, nach 3:30h heisst es mal richtig verpflegen, Wasser, ein Energy-Gel und ein Iso-Drink. 2 Minuten später der nächste Magenkrampf...
Anschliessend geht es auf einem Trail am wunderschönen Leisee vorbei. Nun geht's rauf und runter und meine erste Krise macht sich bemerkbar. Meine Beine sind nicht mehr so frisch und mein Magen meldet sich wieder einmal mehr. Bis Riffelalp, Kilometer 39 geht es nun mehr oder weniger flach oder abwärts. Auf diesem Stück muss ich einige Läufer überholen lassen. In Riffelalp begrüssen uns viele Zuschauer, bevor es im mörderischen Anstieg zum Riffelberg geht. Bis zum Riffelberg sind es nur 3km, doch stolze 400 Höhenmeter müssen absolviert werden. Hier rennt keiner mehr, wenigstens in meinem Umfeld nicht. Auf etwa halber Strecke breche ich fast völlig ein, meine Beine wollen nicht mehr und mein Magen streikt natürlich auch. Doch ich weiss, dass Simona auf dem Riffelberg mit leckerem Boullion wartet. Ich werde auf diesem Anstieg von einige Läufern überholt.
Auf dem Riffelberg, nach der Verpflegung bin ich wieder bei Kräften und motiviert, das letzte Teilstück bis Gornergrat in Angriff zu nehmen. Die Marathon-Läufer haben hier ihr Ziel erreicht. Für uns Ultra-Läufer fehlen nur noch 3.5km und 500 Höhenmeter, eigentlich ein Klacks, doch nach 5 Stunden, 42km und 2000 Höhenmeter will man nur noch ins Ziel kommen. Die ersten 2 Kilometer verlaufen gut, ich kann einige Läufer überholen, auch Marco, den ich vom WK-Dienst kenne, kann ich einholen. Doch auf dem letzten Kilometer breche ich nochmals so richtig ein. Mein ganzer Körper will nicht mehr, vor allem mein Magen streikt wieder. Ich schleiche mich auf dem letzten Kilometer hinauf und werde auch von einigen Läufern überholt. Simona ist 300 Meter vor dem Ziel und feuert mich nochmals so richtig an. Und es ist geschafft, nach 5 Stunden und 51 Minuten erreiche ich den Gornergrat, total erschöpft aber überglücklich. Ich bekomme sofort eine Wärmedecke, es ist relativ frisch hier oben.
Ich benötige lange bis ich einigermassen bei Kräften bin. Ich vermute, dass ich die letzten 2 Stunden zu wenig getrunken und gegessen habe , doch mit meinen Magenkrämpfen war das auch nicht so einfach. Nach jeder Verpflegung musste ich jeweils das Tempo rausnehmen, einige Male musste ich mich fast übergeben. Doch ich bin nun froh dass ich es geschafft habe. Nun geht es mit der Bahn nach Riffelberg, Gepäck holen, duschen und anschliessend nach Zermatt.
Es war mein erster Ultramarathon und auch mein erster Bergmarathon, doch bestimmt nicht der letzte. Ich hoffe dass ich hier nächstes Jahr dabei sein kann. Mal schauen ob die Organisatoren den Ultramarathon weiter durchführen.
Ein herzliches Dankeschön an alle Helfer und natürlich den Organisatoren.










